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Gefährlicher A20-Ausweichverkehr: Dörfer kämpfen für Radweg

Weede - Große Sorge im Amt Trave-Land. Im Zuge des Weiterbaus der Autobahn 20 rechnen Weede und Geschendorf mit deutlich mehr Verkehr auf der Kreisstraße 4. Klein Gladebrügge kämpft schon jetzt mit mehr Lkw-Verkehr.

Die Autobahn 20 kommt: Spätestens 2010 sollen die ersten Fahrzeuge auf dem neuen Teilstück bis Bad Segeberg rollen. Geschendorf, Weede und Klein Gladebrügge befürchten, dass die Verkehrsdichte in den Gemeinden entlang der Trasse deutlich steigen wird: "Schon jetzt donnern viel mehr Lastwagen durchs Dorf", klagt Klaus Vogt. Der Klein Gladebrügger Bürgermeister sorgt sich wie seine Amtskollegen Fritz Kock und Gretel Jürgens um die Sicherheit der Dorfbevölkerung.

Vor allem die Kreisstraße 4, die Bad Segeberg und Geschendorf verbindet, droht zum Verkehrsproblem zu werden: "Bislang hat Weede seine eigene Abfahrt, von der Steinbek, Neuengörs und Weede nahezu direkt angefahren werden können", sagt Gretel Jürgens, Bürgermeisterin der Sammelgemeinde. Doch das wird sich ändern: Die Bundesstraße 206 wird zurückgebaut, die Abfahrt Weede verschwindet. Die Konsequenz: "Viele Auto- und Lasterfahrer werden bereits in Geschendorf die Autobahn verlassen und von hier aus über die K 4 weiterfahren", sagt die 54-Jährige. Jürgens bangt nicht nur um die schon jetzt marode, nur notdürftig geflickte Fahrbahn zwischen Weede, Geschendorf und Söhren: "Vor allem Kinder und ältere Menschen sind häufig mit dem Fahrrad auf der Kreisstraße unterwegs." Deren Sicherheit sei auf der engen Fahrbahn massiv gefährdet. "Schon jetzt gibt es immer wieder heikle Situationen", klagt Fritz Kock, Bürgermeister von Geschendorf. Gemeinsam haben er und Gretel Jürgens beim Bund jetzt die Fortführung eines Radweges (wie zwischen Bad Segeberg und Weede) entlang der K 4 bis Geschendorf und Söhren eingefordert. Eine Entscheidung aus Berlin steht allerdings noch aus.

Als "unzumutbar" beschreibt Klaus Vogt den Schwerlastverkehr, der bereits jetzt täglich durch Klein Gladebrügge jagt. "Wir brauchen gar keinen Wecker mehr. Wenn morgens ab fünf die ersten Kieslaster durch den Ort fahren, wackelt eh alles", sagt der 60-Jährige. Vor allem schwere Kieslaster, die von Schwissel aus in Richtung Lübeck unterwegs seien, gefährdeten die Sicherheit der Schulkinder und seien eine Belastung für Straßen und Kanalisation in der Gemeinde. "Verstärkt kürzen aber auch Brummi-Fahrer von der A 21 ab, die ins Gewerbegebiet Rosenstraße wollen", so Vogt. Anstatt die Abfahrt an der Lettow-Vorbeck-Kaserne weiter in Richtung Bad Segeberg zu nutzen, würden sie von Schwissel aus über Herrenmühle und Klein Gladebrügge fahren. Die Ersparnis: zwei Kilometer. Hilfe von Seiten des Kreises - beispielsweise in Form eines Lkw-Durchfahrtverbots - ist Klein Gladebrügge verwehrt worden.

Und im Zuge des A 20-Weiterbaus droht neues Ungemach: "Sollte das Autobahnkreuz A 21/A20 irgendwann einmal dicht sein, wird der Verkehr ganz sicher durch Klein Gladebrügge umgeleitet werden", befürchtet Vogt.

Von Bastian Modrow, LN

ln-online/lokales vom 05.12.2006, nord click








"Stummel-A20 führt auf B206 zu Verkehrschaos"

Bark – Wenig Hoffnung machte Fachanwalt Michael Günther den Barker Gemeindevertretern und 25 Zuhörern. Die A20 sei kaum noch zu verhindern. „Gesundes Wohnen wird dann nicht mehr möglich sein.“ Vor allem ein Verkehrschaos auf der B206 befürchten die Barker.

Das sei zu erwarten, wenn plangemäß die A20 erst einmal eine Stummel-Autobahn bleibt und westlich Wittenborn am Barker Einschnitt endet. Bis zum Weiterbau viele Jahre später ergösse sich der Verkehr von der A20 auf die B206 in Richtung Bad Bramstedt. Sie führt durch die Barker Ortsteile Schafhaus und Bockhorn.
Die A20 von Weede kommend soll deshalb nur bis zum Autobahnkreuz mit der A21 an der Lettow-Vorbeck-Kaserne bei Bad Segeberg gebaut werden, forderten die Gemeindevertreter nach über dreistündiger Diskussion in Hahns Gasthof. Dies wird als Kernpunkt in ihre Stellungnahme zum laufenden Planfeststellungsverfahren des Abschnitts Weede-Wittenborn einfließen. Es bietet die einzige Möglichkeit für Anlieger, sich Gehör bei der Bauplanung zu verschaffen und notfalls klagen zu können.
CDU-/SPD-Fraktion mit Bürgermeister Erich Schüller (CDU)und Kommunaler Wählerverband hatten sich im Vorwege etliche Gedanken über die befürchteten Folgen gemacht. Am Ende waren sie sich in ihrem Votum einig.
Bislang verkehren auf der B206 rund 12000 Kraftfahrzeuge pro Tag. Mit der halb fertigen A20 drohten es mehr als doppelt so viele zu werden, fürchtete Anwalt Günther, der die Gemeinde Bark im Verfahren vertritt. Genaue Zahlen gebe es aber nicht.
Von der Forderung nach Ortsumgehungen für Schafhaus und Bockhorn rückten die Gemeindepolitiker allerdings ab. Die Straßen würden die Häuser einkesseln. Außerdem werde der Bund sie als Provisorium sicher nicht bauen, sagte Günther voraus. Schließlich wolle der Bund die A20 ja irgendwann weiterbauen. „Und zwar unabhängig davon, ob die Elbquerung bei Glückstadt nun gebaut wird oder nicht“, hatte Bürgermeister Schüller von den Landesplanern erfahren.
Ein Weiterbau bis Bad Bramstedt würde Schafhaus und Bockhorn also entlasten. Doch auch darauf mochten die Politiker nicht pochen. Denn dann würde der Ortsteil Bark leiden, an dem die weitere A20 vorbeiliefe. Auf Anraten von Günther ließ sich Bark in der Stellungnahme alle Türen offen. Falls die A20 erst einmal bei Wittenborn enden würde, soll der Bund nach drei Jahren des A20-Betriebs die Auswirkungen prüfen und selbst nach Lösungen für die B206-Dörfer suchen.
Dem großen Wunsch Barks, der Bund möge die A20 doch lieber als Nordbogen über B205 und Neumünster bauen, räumte Anwalt Günther keine Chance ein.
Wenig bewegen könne man auch mit dem Argument der Autoabgase. „Die Luftbelastung ist nur am Straßenrand bis zehn Meter Entfernung bedeutsam.“ Beim Lärmschutz gelte eine Zone von bis zu 500 Meter von der Trasse entfernt. Günther riet, anliegende Siedlungen Barks von Mischgebiete in Wohngebiete umzuwidmen. Der Bund müsse dann mehr Lärmschutzwände bauen und dickere Hausfenster finanzieren. „Die Wertverluste der Häuser allerdings werden den Besitzern nicht entschädigt.“
Sorgen macht sich die Gemeinde auch um die Verkehrssicherheit. An der B206 in Schafhaus und Bockhorn seien zusätzliche Ampeln erforderlich, ebenso ein Ausbau von Fuß- und Radwegen.
Einen Teilerfolg vermeldete Schüller bereits. Der Bund baue den lang ersehnten Radweg von Bark nach Todesfelde.
Günther riet allen Bürgern, bis 14. Dezember die Planungsunterlagen im Amt Leezen einzusehen und bis 11. Januar 2007 Einwände zu erheben und Sorgen zu äußern. Mustereinwendungen habe er im Amt ausgelegt.
Selbst, wenn es durch die A20 für die Gemeinde besonders arg kommt, gebe es noch einen Ausweg, meinte Günther abschließend. „Rein rechtlich haben Sie bei übermäßiger Lärmbelästigung einen Übernahmeanspruch.“ In diesem Fall müsse der Bund also die Dörfer aufkaufen.

Gerrit Sponholz/Segeberger Zeitung
nordClick/sz vom 30.11.2006






Verkehr In Bad Segeberg liegen die Pläne für den Autobahnbau aus

A-20-Trasse weiter umstritten


Seit kurzem läuft das Planfeststellungsverfahren für die geplante A 20 im Süden Bad Segebergs. Die Autobahn kommt zwar immer näher, der Trassenverlauf und der Nutzen der Straße sind vor Ort aber weiterhin umstritten.

Von Helge Buttkereit

Kreis Segeberg -

Wer sich mit der Autobahn 20 auseinandersetzen will, der muss Aktenordner wälzen. Insgesamt 30 Stück liegen seit Mitte November im Rathaus der Stadt Bad Segeberg sowie im Amt Trave-Land aus. In ihnen wird die geplante Südumfahrung Bad Segeberg haarklein beschrieben. Bis Anfang Januar können betroffene Bürger und Gemeinden Einwendungen gegen die Pläne geltend machen. "Da wir das ganz genau geplant haben, erwarten wir wenig Widersprüche", sagt Harald Haase vom Landesverkehrsministerium.

Allerdings klaffen die Interessen der Betroffenen weit auseinander. Nur wenige sagen wie Bad Segebergs Bügermeister Hans-Joachim Hampel (CDU): "Wir begrüßen die Autobahn 20". Sie sei für die Entwicklung der Kreisstadt wichtig, "gerade auch im Hinblick auf die Nachnutzung der Bundeswehrkaserne".

In der Gemeinde Klein Gladebrügge vor den Toren Bad Segebergs sieht man das anders. Die Gemeindeoberen haben den Hamburger Anwalt Michael Günther mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt. Die Gemeinde steht weiterhin auf dem Standpunkt, dass die Autobahn statt direkt an der Gemeinde vorbei durch die Kreisstadt auf der Trasse der größtenteils vierspurigen B 206 führen sollte. "Das Hauptargument dagegen ist, dass die Südumfahrung billiger sein soll", sagt Günther. Dies überzeuge ihn jedoch nicht. Auch führe die jetzt geplante Trasse direkt durch das Gebiet der Trave. Umweltverträglich sei die geplante Südumfahrung keinesfalls. Dies hätten auch die Planer festgestellt. "Es kann allerdings ausreichend sein, die Kosten an die Spitze der Argumentation zu stellen", räumt Günther ein.

Selbst dieses Argument ist in den Augen von Arne Hansen jedoch nicht stichhaltig. Der Vorsitzende der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und stellvertretender Bürgermeister von Klein Gladebrügge ist zwar generell gegen die Autobahn, wenn sie aber kommt, sei die innerstädtische Variante zu bevorzugen. "Ich kann nicht glauben, dass die beiden aufwendigen Brückenbauwerke für die Südumgehung billiger sind", so Hansen.

Weitgehend arrangiert mit der Autobahn haben sich die Bewohner im benachbarten Högersdorf, stellt Bürgermeister Arnold Wilken (Kommunale Wählervereinigung Högersdorf) fest. Schließlich fungiere die A 20 auch als Umgehungsstraße und entlaste vor allem den Ortsteil Rotenhahn. Ohnehin gelte, dass "in unserer Gesellschaft die Kleinen gegen die Großen meist verlieren". Zufrieden mit der Trasse durch das Tal der Trave ist Wilkens nicht. Da sie nun aber komme, solle der Eingriff in die Umwelt in Högersdorf ausgeglichen werden.

Einen Ort weiter in Wittenborn hat Bürgermeister Gert Petzold (CDU) mittlerweile auch nichts Grundsätzliches mehr gegen die Autobahn einzuwenden. Petzold bezweifelt allerdings, dass der "Wurmfortsatz", wie er die Strecke von der A 21 an seinem Ort vorbei bezeichnet, sinnvoll sei. Es werde keine Lücke geschlossen, und eine Ortsumfahrung wolle die Gemeinde derzeit nicht. Die Belastungen für die Bürger würden nur umverteilt. "Westlich von Segeberg ist es eine offene Geschichte", sagt auch Rechtsanwalt Günther. Die Planung stehe und falle mit der Elbquerung bei Glückstadt, komme diese nicht, mache alles andere keinen Sinn. Auch für die derzeitige Diskussion sei das wichtig, denn schließlich müsse der Nutzen der Autobahn nachgewiesen werden. Für Günther ist der westlich von Segeberg nicht gegeben. Dies kann auch als Widerspruch gegen die Südumfahrung eingebracht werden. Generell gelte: "Wer jetzt keine Einwendungen vorbringt, der wird auch nicht weiter beteiligt."

erschienen am 28. November 2006 , Hamburger Abendblatt







Verkehr Im Raum Segeberg haben sich die meisten Anwohner mit dem Bau der Autobahn abgefunden

Einer kämpft noch gegen die A 20

Im Süden Bad Segebergs an der Ortsgrenze zu Klein Gladebrügge müssen mehrere Häuser der Straße weichen. Die Besitzer haben schon verkauft - bis auf Wiard Klose.

Von Helge Buttkereit

Kreis Segeberg -

"Ich sehe das gelassen." Wiard Klose (60) wirkt nicht wie jemand, dem sein Haus, sein Grund und Boden genommen werden sollen. Selbst wenn der Segeberger über das Bauwerk spricht, das sein Hab und Gut bedroht, bleibt er ruhig. "Dort hinten beim Strommast soll das Brückenbauwerk beginnen", erklärt er und zeigt über sein weitläufiges Anwesen. Dort wo jetzt noch sein Haus steht, würden dann die Pfeiler gebaut, so Klose weiter. Das Haus und das 15 000 Quadratmeter große Grundstück müssen der A 20 weichen. Klose will sich damit aber nicht abfinden. Noch hat er nicht verkauft. "Mit dem Angebot der Behörde kann ich mir gerade mal ein Baugrundstück von 400 bis 500 Quadratmetern kaufen und dort ein Zweifamilienhaus drauf bauen", sagt Klose. Die 100 Kaninchen, der ganze Stolz des Versicherungskaufmanns, hätten da keinen Platz. Aber ohne das Hobby könne er sich sein Leben und den anstehenden Ruhestand nicht vorstellen.

Klose ist der letzte Segeberger, der sein Anwesen direkt vor der Ortsgrenze zu Klein Gladebrügge noch verteidigt. "Ich kann die Autobahn nicht verhindern", räumt er ein. Aber er wolle für sein Grundstück das Geld bekommen, mit dem er sich etwas Gleichwertiges neu aufbauen könne.

Nur einen Steinwurf von Wiard Klose entfernt wohnen Klaus Uwe Böttger (47) und seine Frau Heike (41). Noch. Die Böttgers haben ihr Anwesen nicht nur bereits an das Land verkauft, ihr Umzug steht schon vor der Tür. Noch vor Weihnachten wollen sie ihre Zelte in Segeberg abbrechen und vier Kilometer weiter nach Dreggers ziehen. Zwei Jahre lang hatten sie nach einem geeigneten Grundstück gesucht, schließlich zieht nicht nur die vierköpfige Familie um. In der Hauptsaison von April bis Juni leben bis zu 5000 Hühner mit auf dem Geflügelhof Böttger. Das Federvieh war auch der Grund, weswegen die Böttgers so lange nach einer neuen Bleibe suchen mussten. Zunächst wollte sie keiner haben. "Hier sitzen wir seit 50 Jahren, und niemand hat sich beschwert, dass es stinkt", sagt Klaus Uwe Böttger. Nun wollte die Familie in den Süden von Klein Gladebrügge ziehen, und da sei den Anwohnern eingefallen, dass das Geflügel unangenehm rieche. Die allgemeine Ablehnung hat ihn getroffen, das ist ihm anzumerken.

Dem 47-Jährigen fällt der Abschied aus Segeberg besonders schwer, schließlich ist er hier aufgewachsen und hat den größten Teil seines Lebens hier verbracht. Es sei ihm schwer gefallen, den neuen Hof zu akzeptieren, bekennt er. "Aber es nützt ja nichts." Nun gelte es, das Beste aus der Situation zu machen.

"Der neue Hof ist gut gelegen", sagt Heike Böttger. Die Kunden würden ihn gut finden, schließlich liege er besser als jetzt, nämlich direkt an der Straße. Das neue Gelände sei zudem überschaubarer, und es bietet Platz für Mastgeflügel, das die Böttgers derzeit noch nicht anbieten können. Für den geplanten neuen Geschäftszweig fehlt aber erst einmal das Geld, und schon jetzt hat sich die Familie verschulden müssen. "In diesen Zeiten würde man normalerweise nicht an einen Umzug denken", bekundet Klaus Uwe Böttger. Die Vogelgrippe habe ein tiefes Loch in die Kasse gerissen. Zufrieden mit dem Umzug scheint allein Sohnemann Malte (6). "Das neue Zimmer ist toll", sagt er mit leuchtenden Augen. "Da kann ich mich gut verstecken."

Klaus Uwe Böttger trauert seinem Geburtshaus allerdings immer noch nach: "Ich kann das nicht verstehen, auf der ganzen A 20 haben die nicht durch ein Wohngebiet gebaut. Warum ausgerechnet hier?" Noch-Nachbar Wiard Klose sieht es ähnlich. "Zwischen Klein Gladebrügge und Travetal wäre genügend Platz für die Autobahn gewesen." Da dies aber derzeit nicht zur Debatte steht, wird Klose im bis Januar laufenden Planfeststellungsverfahren mit Hilfe seines Anwalts Einspruch einlegen. Erst danach könnte gegebenenfalls ein Enteignungsverfahren starten. Vorher aber müssten weitere Verhandlungen geführt werden. Die liegen laut Klose seit drei Jahren auf Eis, nach seiner Weigerung zu verkaufen, habe sich die Behörde nicht mehr gemeldet. Diese widerspricht. "Wir warten nicht ab", sagt Britta Karina Lüth vom Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein. "Wir stehen in Verhandlungen mit den Betroffenen." Klose hat das noch nicht bemerkt und meint: "Die sollen kommen. Ich lebe hier gut."

erschienen am 28. November 2006, Hamburger Abendblatt



20 Akten A 20: Jetzt haben die Segeberger das Wort

Bad Segeberg/Weede - Das Planfeststellungsverfahren für den Weiterbau der A 20 bis Wittenborn läuft: Ab sofort können Segeberger die Akten einsehen und Einspruch erheben. Bislang ist das Interesse allerdings gering.

Die Autobahn 20* wächst gen Westen - selbst wenn es den Autofahrern auf der Bundesstraße 206 und den Anwohnern an der neuen Trasse weitgehend verborgen bleibt. Zurzeit laufen die Erdarbeiten überwiegend auf freier Fläche - mit einer markanten Ausnahme: Die Brückenkonstruktion, unter der die Schnellstraße ab 2008 bei Strukdorf verlaufen soll, nimmt nach und nach Form an. Fast futuristisch reckt sich die Stahlstrebenkonstruktion zwischen den beiden Kränen in die Höhe. Noch vor Einbruch der Frostperiode soll der Brückenkopf auf mächtige Stahlträger gesetzt werden, plant das Straßenbauamt Lübeck. Und es wird keine Brücke wie alle anderen auf dem 16 Kilometer langen Teilstück bis Geschendorf: Später soll hier ein Betonbogen das Rotwild sicher über die Straße führen. "So ein Bogen fügt sich besser in die Landschaft ein", sagt Amtsleiter Gerhard Diedrichs.

Doch die A 20 nimmt nicht nur zwischen dem Autobahnkreuz Lübeck und dem bisherigen Endpunkt in Geschendorf Form an: Seit dieser Woche läuft das Planfeststellungsverfahren für den Weiterbau - für die Nord-West-Umfahrung Hamburgs zwischen Weede und Wittenborn und den Anschluss an die Autobahn 21 bei Bad Segeberg. Bis zum 11. Januar 2007 können Betroffene schriftlich Einwendungen, sprich Bedenken und Anregungen zu den A 20-Plänen äußern.

Gretel Jürgens, Bürgermeisterin von Weede und Vorsteherin im Amt Trave-Land, sieht dem A 20-Weiterbau zumindest in ihrer Gemeinde gelassen entgegen: "Viele Mitbürger befürchten keine Veränderungen. Wir leben schon jetzt mit dem Lärm von der B 206", so die 54-Jährige. Lediglich die Erweiterung der Klärteiche in Weede könne nicht wie geplant umgesetzt werden. "Das Gelände, das wir gekauft haben, wird für die A 20 benötigt. Entsprechend werden wir umplanen müssen", so Jürgens.

Ansonsten ist sie sich aber sicher: "Es ist der umstrittenste Bauabschnitt." Vor allem Klein Gladebrügge muss massive Einschnitte hinnehmen. Auf Stelzen wird die vierspurige Autobahn über den Dächern der Dorfbewohner hinwegführen. Zahlreiche Anwohner müssen umziehen, bekommen Ausgleichsflächen zugewiesen. Entsprechend groß sei hier auch das Interesse an den Unterlagen über die geplante Trassenführung, Flächen- und Biotopsverluste und den Bau von Lärmschutzwällen. 60 Gladebrügger informierten sich in dieser Woche bei einer Gemeindeversammlung. Allen übrigen Betroffenen und Interessierten stehen ab sofort 20 rote Aktenordner zur Einsicht zur Verfügung - entweder im Bad Segeberger Rathaus und dem Amt Trave-Land oder aber in den Gemeinschafts- und Dorfhäusern der Gemeinden. Überraschend: "Nach den heftigen Protesten der Vergangenheit ist das Interesse an Akteneinsicht doch gering", sagt Andrea Lühr, Sachbearbeiterin für das Planfeststellungsverfahren der A 20 im Amt Trave-Land. Erst ein Bürger habe bislang das Angebot genutzt, in das Mammutwerk zu schauen. "In der Woche zuvor hingegen hatten wir gleich fünf Anfragen", so die 43-Jährige.

Im Bad Segeberger Rathaus seien es in den vergangenen zwei Tagen zumindest fünf, sechs Interessierte gewesen. "Richtig interessant ist letztlich nur der erste Band, in dem ein umfangreicher Erläuterungsbericht sowie Übersichtskarten abgelegt sind", sagt Expertin Lühr. Die 43-Jährige steht Bürgern für Verständnis- und Detailfragen zur Verfügung. Um Einwendungen zu formulieren, hat der Hamburger Rechtsanwalt Michael Günther, der die Interessen vieler Gemeinden an der geplanten Trasse vertritt, einen Musterbogen hinterlegt.

Von Bastian Modrow, LN


ln-online/lokales vom 17.11.2006 , nord click











Geld für Straße und Schiene - der Bauplan für den Norden

HAMBURG -

760 Kilometer Autobahnneubau, 970 Kilometer Autobahnerweiterung, 2000 Kilometer Erweiterung und Neubau von Bundesstraßen, 300 Ortsumgehungen, Ausbau der Schienenknotenpunkte Frankfurt, Köln, Berlin, Halle/Leipzig, Magdeburg und Erfurt, Elektrifizierung der Strecke Hamburg-Lübeck-Travemünde - der Bund will die Verkehrssysteme bis 2010 wieder in Schwung bringen. Das hat er in seinem Investitionsrahmenplan, der am Freitag vorgestellt wurde, festgelegt.

Wer dann auf der A 7 zwischen Othmarschen und dem Kreuz Nordwest fährt, wird sich auf einer achtspurigen Autobahn bewegen, genauso auf der A 1 zwischen Dreieck Südost und Billstedt. Auch der Dauerstau zwischen Hamburg und Bremen wird sich bis dahin hoffentlich aufgelöst haben. Mit dem Ausbau der A 20 zwischen Weede und Wahlstedt wird der erste Schritt für die Verlängerung der A 20 über Bad Segeberg hinaus getan sein. Vorangetrieben werden könnte dies durch das Beschleunigungsgesetz für Infrastrukturaufgaben, das der Bundestag am Freitag gleichzeitig verabschiedet. Es lässt in bestimmten Fällen einen Verzicht auf Erörterungstermine zu und beschränkt den Rechtsweg bei einzelnen Bauvorhaben teils auf das Bundesverwaltungsgericht als einzige Instanz. Die Küstenautobahn soll bei Glückstadt an die A 20 (Elbquerung) anschließen und durch den Wesertunnel bei Westerstede an die A 28 angeschlossen werden.

Eine "besondere Wegmarke" ist für Niedersachsens Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) aber außerdem die Genehmigung der notwendigen Gelder für den raschen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Oldenburg-Wilhelmshaven. Diese leistungsfähige Schienenanbindung ist nach Einschätzung des Ministeriums eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des in Wilhelmshaven geplanten Tiefwasserhafens. Der soll bereits 2010 in Betrieb gehen.

fert, mai

erschienen am 28. Oktober 2006, Hamburg Abendblatt





Ab 2010: Autobahn nach Segeberg

Bad Segeberg - Die A 20 wächst weiter: Jetzt beginnt die Planfeststellung für den zehn Kilometer langen Abschnitt von Weede bis Wittenborn. Damit wird der Anschluss an die A 21 Richtung Kiel geschafft.

A 20, dritter Teil. Schleswig-Holstein macht sich an einen weiteren Streckenabschnitt der Ostseeautobahn. Das Kieler Verkehrsministerium hat jetzt das Planfeststellungsverfahren für das Stück zwischen Weede und Wittenborn eingeleitet. "Das wird die Städte Kiel und Lübeck spürbar näher zusammenrücken lassen", betonte Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) gestern in Kiel. Nach der derzeitigen Planung soll die Trasse zwischen Lübeck und Bad Segeberg Ende 2010 befahrbar sein. Dort gibt es Anschluss an die A 21, die Kiel mit der Autobahn 1 nahe Bargteheide verbindet.

Damit zügig gebaut werden kann, wird die A 20 in mehreren Abschnitten gleichzeitig geplant. Der rund 16 Kilometer lange Abschnitt von Lübeck bis Geschendorf ist bereits seit Oktober 2004 im Bau und wird 2008 fertig gestellt sein. Im kommenden Jahr soll mit dem Abschnitt von Geschendorf bis Weede begonnen werden. Geplant wird zudem schon das letzten Teilstück auf schleswig-holsteinischem Gebiet, zwischen der A 23 und Glückstadt.

Das hat finanzielle Vorteile für das Land: Kiel könne Gelder für den Straßenbau beantragen, den andere Länder verfallen ließen, sagte Austermann. Drei Millionen seien bereits zugesagt, er hofft jedoch auf insgesamt 20 Millionen Euro.

Nach Austermanns Worten betrachtet die EU die Ostseeautobahn als "überragend wichtiges Projekt für den gesamten norddeutschen Raum". Als Indiz wertet er das Engagement der EU für eine Studie, mit der eine umweltverträgliche Querung der Elbe erarbeitet werden soll. 1,5 Millionen Euro wurden bereitgestellt.

Nach Prüfungen zusammen mit dem Bundesverkehrsministerium und dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium steht inzwischen fest, dass die Elbe nahe Glückstadt untertunnelt wird. "Eine Brückenlösung scheidet aus", stellte Austermann klar. Untersuchungen hatten ergeben, dass ein Tunnel von Glückstadt bis Drochtersen in Niedersachsen für 740 Millionen Euro zu haben ist. Ein Brückenbau würde hingegen bis zu einer Milliarde Euro kosten - je nach Höhe. Denn wegen der großen Schiffe, die die Elbe passieren, müsste eine Brücke 85 bis 100 Meter hoch sein. Zwei Varianten waren berechnet worden, eine mit 85 Metern und eine mit 112 Metern Höhe.

Austermann will nun dafür kämpfen, dass die Tunneldurchfahrt - anders als beim Lübecker Herrentunnel - gratis bleibt. "Wir erwarten, dass sich der Bund erheblich bewegt", so der Minister. Denn bisher soll das Bauwerk privat bezahlt und durch die Maut refinanziert werden. So ist es im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. "Nur keine falsche Bescheidenheit", meint Austermann mit Blick auf die südlichen Bundesländer. Der Norden dürfe nicht benachteiligt werden. "Wir haben bei den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit* eindeutig den Kürzeren gezogen." Und auch die feste Querung des Fehmarnbelt, Lieblingsprojekt von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), müsse ohne finanzielle Unterstützung des Bundes auskommen. Eine Milliarde sei jedoch für die Hinterland-Anbindung reserviert, die im Falle einer reinen Privatfinanzierung frei zur Verfügung stünde. Sie könnte möglicherweise für den Elbtunnel eingesetzt werden, schlägt Austermann vor. Zudem wäre es denkbar, dass die EU rund ein Fünftel der Kosten übernimmt. Damit stünden die Chancen der Hauptfinanzierung durch den Bund nicht schlecht, meint Austermann.

Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel nannte Austermanns Vorstoß eine "Schnapsidee". Offensichtlich gebe es immer mehr Vorbehalte gegen eine Maut. Der Minister wolle seinem Heimatwahlkreis etwas Gutes tun. "Austermanns Lokalpatriotismus ist purer Populismus", kritisierte Hentschel.

Innerhalb der kommenden zwei Jahre soll die Finanzierungsfrage geklärt werden. Unter Federführung Schleswig-Holsteins wird bereits bis August 2007 ein Entwurf für den Tunnel erarbeitet. Als Baubeginn wird das Jahr 2010 angepeilt. Danach könnte man das Nadelöhr Hamburg ab 2015 auf der A 20 umfahren. Die Autobahn, die an der polnischen Grenze beginnt, führt an Lübeck und Bad Segeberg vorbei bis nach Glückstadt. Mit dem Tunnel soll die Trasse in Niedersachsen an die A 22 sowie die A 26 Richtung Stade angeschlossen werden.

Von Julia Paulat, LN
ln-online/lokales vom 25.10.2006 , nord click













Verkehr 25-Milliarden-Paket

A 1 und A 7 werden achtspurig

Ausbau in Hamburg und in der Region bis 2010. Auch Bahnprojekte und Elbvertiefung gesichert.

Hamburg -

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee will bis 2010 rund 25 Milliarden Euro in die Reparatur des maroden Straßen- und Schienennetzes stecken und für 50 Milliarden Euro Verkehrswege ausbauen. Das sieht der Investitionsrahmenplan vor, den er am Freitag vorstellte. Die Hamburger werden davon stark profitieren können. Mit dem Paket ist nicht nur die Elbvertiefung auf 14,50 Meter finanziell abgesichert, sondern auch endgültig der Ausbau der notorisch überlasteten A 1 zwischen Hamburg und Bremen.

Im Einzelnen werden folgende Projekte in und um Hamburg ausgebaut:

  • Die A 7 und A 1 auf Hamburger Gebiet werden zum großen Teil auf acht Spuren vergrößert.

  • Für den sechsspurigen Ausbau der Autobahn A 1 Hamburg-Bremen liegt die Planfeststellung vor, es laufen bereits Gespräche über eine umgehende mittelstandsfreundliche Vergabe der Aufträge. Das 277 Millionen Euro teure und 75 Kilometer lange Projekt werden private Unternehmen bauen und betreiben. Sie bekommen dafür die Einnahmen der Lkw-Maut auf diesem Abschnitt. Mit dem Investitionsrahmenplan hat der Bund das Projekt jetzt abgesichert.

  • Die finanzielle Absicherung der Strecke Wahlstedt-Weede in Schleswig-Holstein ist ein erster Schritt, damit die A 20 doch über Bad Segeberg hinaus gebaut und vielleicht bis zur A 7 nach Bad Bramstedt verlängert wird.

  • Das größte Projekt in Niedersachsen ist mit 1,28 Milliarden Euro die Y-Trasse, der Bau einer neuen schnellen Schienenverbindung im Dreieck Hamburg-Hannover-Bremen. Dadurch wird die alte Hauptstrecke Hamburg-Lüneburg-Hannover entlastet. Das Projekt lag seit 2004 auf Eis.

    Aus der Sicht Hamburgs seien das große wichtige Projekte und daher "Grund zur Freude", sagte der Hamburger Bundestagsabgeordnete Dirk Fischer (CDU) dem Abendblatt. Vor allem die Elbvertiefung hält der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Carstensen vor dem Hintergrund der "Boom-Entwicklung" im Hafen durch die letzte Elbvertiefung für "das große wichtige Projekt für die Wirtschaftsentwicklung der Stadt".

    mai, fert, mkü

    erschienen am 28. Oktober 2006










    Vorstoß Kieler Wirtschaftsminister will Geld aus Berlin

    Bund soll für A-20-Elbtunnel zahlen

    Bisher sollte das Projekt privat finanziert werden. Austermann empfindet das als Benachteiligung.

    Von Ulf B. Christen

    Kiel -

    Im Poker um die A 20 hat Kiels Verkehrsminister Dietrich Austermann eine neue Runde eröffnet. Der CDU-Politiker forderte den Bund gestern auf, den geplanten Elbtunnel bei Glückstadt zu bezahlen. Bisher waren sich Land und Bund einig, dass private Investoren das 740-Millionen-Projekt umsetzen und über eine Maut refinanzieren. "Ich sehe nicht ein, dass wir im Norden mautpflichtige Straßen bekommen und Projekte im Süden aus der Bundeskasse bezahlt werden", sagte Austermann. Das Bundesverkehrsministerium reagierte verhalten. "Es steht jedem Land frei, Wünsche vorzutragen", hieß es in Berlin. Im Bundesverkehrswegeplan sei aber eine private Finanzierung der Elbquerung vorgesehen. Austermann ist dennoch zuversichtlich, "dass der Bund sich bewegt". Hintergrund: Im Dezember wird Berlin vermutlich die Pläne für das zweite große Verkehrsprojekt im Norden, eine Brücke über den Fehmarn-Belt, beerdigen. In diesem Fall könnte der Bund gleichsam als Kompensation die A 20 stärker fördern, etwa dadurch, dass er veranschlagte Mittel für die Zufahrt zur Beltbrücke in den Topf für den Elbtunnel umschichtet.

    Bei einem Scheitern des Beltprojekts "wäre das schlechte Gewissen des Bundes gegenüber Schleswig-Holstein noch größer", sagte Austermann. Auf Nachfrage räumte der umtriebige Minister ein, sein Vorstoß sei weder mit Hamburg noch mit Niedersachsen abgestimmt und selbst das Kieler Kabinett habe keinen entsprechenden Beschluss gefasst. "Das ist meine Idee." Die Grünen konterten: "Eine Schnapsidee."

    Klar ist, dass es mit dem Bau der A 20 vorangeht. Für den dritten Abschnitt (Weede bis Wittenborn) läuft das Planverfahren an (s. Karte). Vom 14. November bis 14. Dezember können Bürger die Unterlagen bei Behörden einsehen. Zeitgleich wird die Trasse im Westen geplant. Geht alles glatt, könnte der Bau des Elbtunnels 2010 beginnen und die A 20 im Jahr 2015 fertig sein.

    erschienen am 25. Oktober 2006, Hamburger Abendblatt




    Sechs Spuren für den Norden

    A 7: Starker Verkehrsanstieg erwartet - Bund plant Ausbau ab 2008. Besonders der Schwerlastverkehr hat zugenommen. Rund 148 Millionen Euro sind für die neuen Fahrspuren reserviert.

    Von Wolfgang Klietz

    Quickborn -

    Einen enormen Anstieg des Verkehrsaufkommens auf der Autobahn 7 erwartet das Verkehrsministerium in Kiel. 91 700 Fahrzeuge werden nach einer Prognose des Ministeriums im Jahr 2020 pro Tag im Bereich Quickborn unterwegs sein. Im Jahr 2005 waren es 64 000.

    Um den Anstieg des Verkehrsaufkommens bewältigen zu können, plant der Bund den sechsspurigen Ausbau der Autobahn 7 zwischen Hamburg und Neumünster. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) sagte der Pinnebergerer Zeitung: "Unser Bemühen geht dahin, die A 7 nach dem verkehrlichen Erfordernis zielgerichtet von Süd nach Nord auszubauen. Die Bedeutung der Autobahn als Nord-Süd-Verbindung in Schleswig-Holstein wächst immer stärker."

    Rund 148 Millionen Euro wird der Bund in die neuen Fahrspuren investieren, das Projekt wurde im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen als "vordringlich" eingestuft. Derzeit wird geprüft, ob ein Unternehmen den Ausbau und die Unterhaltung für mehrere Jahrzehnte übernimmt und dafür Einnahmen aus der Lkw-Maut erhält.

    Bereits in den vergangenen Jahren hatte besonders der Schwerlastverkehr zugenommen. Um in Spitzenzeiten für Entlastung zu sorgen, wird seit zwei Jahren bei Bedarf auf dem südlichen Abschnitt sowie in Höhe Neumünster die Standspur in Richtung Norden als dritter Fahrstreifen freigegeben. Die gefürchteten Staus zwischen Elbtunnel und dänischer Grenze haben seitdem deutlich abgenommen, doch den Verkehrsansturm des Jahres 2020 wird das Standspur-Provisorium kaum auffangen.

    Im Raum Kaltenkirchen und Bad Bramstedt wird der Verkehr nach Berechnungen des Mininsteriums besonders zunehmen, da sich nördlich der Stadt die A 7 und die geplante A 20 kreuzen werden.

    Beginnen sollen die Bauarbeiten im Jahr 2008 zwischen Neumünster-Nord und dem Bordesholmer Dreieck. Dieser Bereich wurde für den Start ausgewählt, da es dort bereits heute regelmäßig zu erheblichen Staus kommt.

    Danach wird abschnittsweise weitergebaut. Damit wollen die Planer gewährleisten, daß sich Behinderungen für die Autofahrer auf dem Weg durch den Süden des Landes in Grenzen halten.

    Zwar steht der Terminplan für die weiteren Bauarbeiten noch nicht fest, doch der Ablauf für die Planfeststellungsverfahren liegt bereits vor. Los geht's im Sommer 2008 mit dem Abschnitt zwischen Schnelsen-Nord und Quickborn. Dieser Abschnitt soll zügig erweitert werden, da auch auf Hamburger Gebiet die A 7 ausgebaut wird. "Wenn die Hamburger fertig sind, wollen wir in Schleswig-Holstein keinen Flaschenhals haben", sagte die Sprecherin des Kieler Verkehrsministeriums, Karin Fehlau.

    Letzter Abschnitt wird das Teilstück zwischen Großenaspe und Bad Bramstedt sein. Für diesen Bereich beginnt das Planfeststellungsverfahren voraussichtlich im Sommer des Jahres 2011.

    erschienen am 22. Juli 2006, Hamburger Abendblatt






    Der Plan zum Ausbau der A 7

    Sechs Spuren: Bund investiert rund 148 Millionen, Startschuß ist 2008. Derzeit wird geprüft, ob ein Unternehmen den Ausbau und die Unterhaltung für mehrere Jahrzehnte übernimmt und dafür Einnahmen aus der Lkw-Maut erhält.

    Von Wolfgang Klietz

    Kreis Segeberg -

    Einen enormen Anstieg des Verkehrsaufkommens auf der Autobahn 7 erwartet das Verkehrsministerium in Kiel. 91 700 Fahrzeuge werden nach einer Prognose des Ministeriums im Jahr 2020 pro Tag im Bereich Kaltenkirchen unterwegs sein. Im Jahr 2005 waren es 64 000.

    Um den Anstieg des Verkehrsaufkommens bewältigen zu können, plant der Bund den sechsspurigen Ausbau der Autobahn 7 zwischen Hamburg und Neumünster. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) sagte der Norderstedter Zeitung: "Unser Bemühen geht dahin, die A 7 nach dem verkehrlichen Erfordernis zielgerichtet von Süd nach Nord auszubauen. Die Bedeutung der Autobahn als Nord-Süd-Verbindung in Schleswig-Holstein wächst immer stärker."

    Rund 148 Millionen Euro wird der Bund in die neuen Fahrspuren investieren, das Projekt wurde im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen als "vordringlich" eingestuft. Derzeit wird geprüft, ob ein Unternehmen den Ausbau und die Unterhaltung für mehrere Jahrzehnte übernimmt und dafür Einnahmen aus der Lkw-Maut erhält.

    Bereits in den vergangenen Jahren hatte besonders der Schwerlastverkehr zugenommen. Um in Spitzenzeiten für Entlastung zu sorgen, wird seit zwei Jahren bei Bedarf auf dem südlichen Abschnitt sowie in Höhe Neumünster die Standspur in Richtung Norden als dritter Fahrstreifen freigegeben. Die gefürchteten Staus zwischen Elbtunnel und dänischer Grenze sind seitdem nicht mehr entstanden, doch dem Verkehrsansturm des Jahres 2020 wird das Standspur-Provisorium kaum auffangen.

    Im Raum Kaltenkirchen und Bad Bramstedt wird der Verkehr nach Berechnungen des Mininsteriums besonders zunehmen, da sich nördlich der Stadt die A 7 und die geplante A 20 kreuzen werden.

    Beginnen sollen die Bauarbeiten im Jahr 2008 zwischen Neumünster-Nord und dem Bordesholmer Dreieck. Dieser Bereich wurde für den Start ausgewählt, da es dort bereits heute regelmäßig zu erheblichen Staus kommt.

    Danach wird abschnittsweise weitergebaut. Damit wollen die Planer gewährleisten, daß sich Behinderungen für die Autofahrer auf dem Weg durch den Süden des Landes in Grenzen halten.

    Zwar steht der Terminplan für die weiteren Bauarbeiten noch nicht, doch der Ablauf für die Planfeststellungsverfahren liegt bereits vor. Los geht's im Sommer 2008 mit dem Abschnitt zwischen Schnelsen-Nord und Quickborn. Dieser Abschnitt soll zügig erweitert werden, da auch auf Hamburger Gebiet die A 7 ausgebaut wird. "Wenn die Hamburger fertig sind, wollen wir in Schleswig-Holstein keinen Flaschenhals haben", sagte Austermanns Sprecherin Karin Fehlau.

    Letzter Abschnitt wird das Teilstück zwischen Großenaspe und Bad Bramstedt sein. Für diesen Bereich beginnt das Planfeststellungsverfahren voraussichtlich im Sommer 2011.

    erschienen am 20. Juli 2006, Hamburger Abendblatt










    Gemeinden wollen keine "Nützen-Beule"

    Streit: Bürgermeister lehnen die Trasse des Landes für die A 20 Richtung Westen ab. Sie haben einen Vorschlag gemacht, der weniger Geld kostet als die jetzige Lösung. Außerdem würden die Menschen und die Umwelt weniger belastet.

    Von Helge Buttkereit

    Kreis Segeberg -

    Einen Namen haben sie der A 20-Trasse in ihrem Gebiet schon gegeben: "Nützen-Beule". Wenn die neue Autobahn durch den Kreis Segeberg in der geplanten Form gebaut wird, dann macht sie einen Schlenker in Richtung Nützen. Das wollen die Gemeinden Lentföhrden und Nützen nicht hinnehmen.

    "Wir wissen, daß wir die Autobahn nicht verhindern können, auch wenn wir das nach wie vor gerne tun würden", sagt Lentföhrdens Bürgermeister Kurt Sander (CDU). Da die neue Verbindung in jedem Fall kommen werde, müsse nun geschaut werden, wie die Autobahn so wenig Menschen wie möglich schade. Deswegen haben sich beide Gemeinden die Pläne vorgenommen und eine Änderung vorgeschlagen.

    "Mit unserem Vorschlag werden die Menschen und unsere finanziellen Ressourcen geschont", sagt Lentföhrdens CDU-Fraktionschef Kurt Thormählen. Er rechnet vor, daß bei der geplanten "Nützen-Beule" wesentlich mehr Brücken gebaut werden müßten als bei seinem Vorschlag. Und der sieht vor: Die Trasse führt von der A 7 aus gerade zwischen Bad Bramstedt und Lentföhrden hindurch. "Hier ist auch der Baugrund besser", sagt Thormählen. Das Problem: Diese Variante entlang der Kreisstraße 81 zwischen Schmalfeld und Lentföhrden führt durch ein laut Naturschutzgesetz besonders schützenswertes Biotop.

    "Hier müßte man nicht einmal einen Baum fällen", sagt Nützens Bürgermeister Klaus Brakel (Allgemeine Wählergemeinschaft), als er auf das Gelände schaut, das dem Autobahnbau entgegensteht. Zumindest auf den ersten Blick ist vom Parklatz des Modellflugplatzes Kaltenkirchen aus in Richtung Autobahn 7 kein Grund zu erkennen, der die Fläche zu einem besonders schützenswerten Gebiet machen würde.

    Würde wie geplant weiter südlich gebaut, verliefe die Autobahn durch das Tal der Ohlau. Das ist, so Sander, schützenswerter als die brach liegende Fläche an der A 7. Warum das Tal durchschnitten werden muß, kann Sander nicht verstehen. Außerdem wäre die A 20 nach jetziger Planung länger als beim Vorschlag der beiden Gemeinden. "Wenn 50 Jahre lang die Autos 400 Meter mehr fahren, schadet das der Umwelt", sagt Brakel. Auch dieser Aspekt müsse neben den höheren Baukosten und dem größeren Schaden für die Menschen berücksichtigt werden.

    "Die Trasse ist von Ökologen, Biologen und Landschaftspflegern geprüft worden", sagt Thies Kohlsaat, stellvertretender Leiter der Projektgruppe A 20 West vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein. Er hatte die Aufgabe, den beiden Gemeinden den aktuellen Stand der Planung vorzustellen. Auf deren Vorschläge konnte er nicht eingehen.Entscheidungen würden auf höherer Ebene getroffen.

    "Wir werden uns direkt an den Minister wenden müssen", sagt der Lentföhrdener Sven Stimac. Daß die Beamten auf den Minister verwiesen, sei verständlich, nicht aber, daß dieser sich hinter der Verwaltung verstecke. Ob allerdings die Nützenbeule noch ausgebeult werden kann, ist unklar. In Kürze wird ein Rechtsanwalt von den betroffenen Gemeinden beauftragt, die rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen.

    erschienen am 11. Juli 2006







    Der Zeitplan

    Seit Anfang April wird im Kreis Segeberg die Ostsee-Autobahn 20 zwischen Geschendorf und Lübeck gebaut. Frühestens 2010 soll die Strecke zwischen Bad Segeberg und Lübeck fertig sein. Die Strecke in Richtung Westen wird danach hergestellt. Die Landesregierung will bis zum Jahr 2010 alle Planfeststellungsverfahren abgeschlossen haben. Der Bau der Trasse zwischen der A 7 und der Kreisstraße 114 westlich von Mönkloh, also im Gebiet von Lentföhrden und Nützen, wird erst danach beginnen, sagt Harald Haase vom Landesverkehrsministerium. Zwar solle die Verbindung möglichst zügig fertig werden. Vor 2012 sei aber nicht damit zu rechnen.

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    erschienen am 11. Juli 2006, Hamburger Abendblatt







    Die A 20 führt durch ihr Zuhause

    Autobahnbau: Wer zahlt den Schaden? Kann der Hof danach weiterexistieren? Sie sitzen wie auf gepackten Koffern. Und hoffen doch, daß sie bleiben können. Seit sechs Jahren.

    Von Hanna-Lotte Mikuteit

    Apfelbauer Henning Olde (42) ist besonders hart von der neuen A 20 betroffen. Schon bald sollen quer durch seine Plantage in Herzhorn die Autos rasen. „Die Straße ist nur 40 Meter neben meinem Wohnzimmer.“ Kollmar -

    Apfelbauer Henning Olde (42) ist besonders hart von der neuen A 20 betroffen. Schon bald sollen quer durch seine Plantage in Herzhorn die Autos rasen. „Die Straße ist nur 40 Meter neben meinem Wohnzimmer.“ Foto: BODIG

    Es ist Erntezeit, und eigentlich müßte die Stimmung auf dem Apfelhof der Oldes in Herzhorn gut sein. Vor dem alten Backsteinhaus mit den zwei knorrigen Bäumen stapeln sich Kisten voller rotwangiger Elstar, dahinter reihen sich Hektar um Hektar die prallvollen Obstbäume. Rundherum, so weit das Auge reicht, grüne Marschen bis zur Elbe. Eigentlich könnte es den Oldes, Apfelbauern in dritter Generation, gutgehen. Wenn es die A 20 nicht gäbe und den Plan, die Ost-West-Magistrale mit einer privatfinanzierten Querung der Elbe weiterzubauen - und zwar genau über Oldes Familienbetrieb. "Sechs Jahre leben wir jetzt damit, daß wir wahrscheinlich hier wegmüssen", sagt Henning Olde (42) und es klingt ziemlich müde.

    Schritt für Schritt kam die Autobahn, die von Stettin quer durch Vorpommern und Mecklenburg bis nach Lübeck führt, näher. Das nächste Teilstück Richtung Westen ist inzwischen im Bau. Nachdem sich anfangs noch Bürgerinitiativen und Landwirte gegen die Trasse nördlich von Hamburg gewehrt hatten, ist der Widerstand erlahmt. "Wegen Aussichtslosigkeit", sagt der Kollmarer Bürgermeister Jens Brockmüller (68). Auch die meisten Protestschilder sind inzwischen abgebaut. Die Region hat sich arrangiert. "Manche erhoffen sich auch was", sagt er.

    Rentnerin Irene Kohse (81) weiß nicht, was aus ihrem Haus direkt am Kollmarer Steindeich wird, wenn tatsächlich der neue Elbtunnel daruntergebohrt wird. „Aber was können wir schon machen.“ Foto: BODIG




















    Noch zwei Wochen liegen in den Ämtern der Kreise Steinburg, Pinneberg und Segeberg für einen Monat Karten (Maßstab 1:100 000) mit der Linienbestimmung der 94,5 Kilometer langen A 20 von Weede (Kreis Segeberg) im Osten bis zur Anbindung an die A 26 südöstlich von Stade aus. Im Herbst 2006 soll das Planfeststellungsverfahren für den ersten Bauabschnitt von der B 431 bis zur A 23 starten, 2008 ist der Baubeginn vorgesehen - nach den bisherigen Informationen genau da, wo jetzt der Oldesche Hof steht.

    Geborene Widerständler sind die Apfelbauern nicht gerade, eher ruhig und darauf bedacht, ihr Ding zu machen. Aber genau darum geht es ja: Direkt vor dem Anwesen soll die Auffahrt zur B 431 entstehen, 40 Meter hinter dem Wohnzimmer die Trasse verlaufen - mitten durch die Obstplantage. "Man kann davon ausgehen, daß der Betrieb dadurch in der Existenz bedroht ist", sagt Juniorchef Olde. Das klingt umständlich, vielleicht weil es ihm so schwerfällt. Seit fast zwei Jahren arbeiten Gutachter daran, den Schaden zu berechnen. Davon hängt ab, welche Zukunft der Familienbetrieb hat. "Natürlich bin ich maßlos enttäuscht", sagt er. "Aber schlimmer noch ist die Ungewißheit. Die macht einen fertig." Noch hat er keinen Rechtsanwalt eingeschaltet.

    Landwirt Hartwig Magens (58) und sein Sohn Thies (20) bangen um die Existenz ihres Hofs in Kollmar. „Nach der jetzigen Planung schneidet uns die Straße komplett von unseren Weiden ab.“ Foto: BODIG

    Nur einen Hof weiter, bei Bauer Hartwig Magens (58), ist die Lage nicht viel anders. Seit 1850 wirtschaftet seine Familie in den Elbmarschen. Magens hat 250 Kühe und 120 Hektar Land. "Die Autobahn würde uns vom Hauptteil unseres Landes abschneiden", sagt der Landwirt, dessen Sohn Thies (20) den Hof übernehmen will. Auch um die Zukunft der nächsten Generation zu sichern, würde die Familie auf die andere Seite umziehen. "Aber das geht nur, wenn die mir neue Betriebsgebäude bauen", sagt der Senior. Geschätzte Kosten: 1,5 Millionen Euro.


    "Es sind noch so viele Fragen ungeklärt", sagt der Kollmarer Bürgermeister Brockmüller. Entwässerung, Wirtschaftswege, Gewerbeansiedlungen, Lärmbelastung - immer wieder habe er versucht, Antworten zu bekommen, sagt der pensionierte Verkaufsleiter. Dabei ist das malerische Elbdorf in besonderer Weise betroffen: Unter dem Ortsteil Steindeich soll der neue Elbtunnel gebohrt werden. Erste Probebohrungen sind inzwischen gemacht. "Was können wir machen", sagt Irene Kohse (81), unter deren Haus irgendwann die Autos rasen sollen "Viele hier versuchen zu verkaufen", weiß sie. An einem Haus hängt schon seit zwei Jahren ein Verkaufsschild.

    "Das Ganze ist schwer zu ertragen", sagt Apfelbauer Olde. Vor allem weil er große Zweifel angesichts des ehrgeizigen Projekts hat. "Ich glaube einfach nicht, daß sie einen privaten Investor für den Tunnel finden", sagt er. "Und dann macht die ganze Autobahn doch keinen Sinn."

    erschienen am 11. Oktober 2005, Hamburger Abendblatt





    A-20-Pläne liegen aus




    BAD SEGEBERG -

    Die Planungen für die A 20 in Schleswig-Holstein gehen weiter. Gestern begann das Planfeststellungsverfahren für den Bauabschnitt zwischen Geschendorf und Weede (Kreis Segeberg). Der Abschnitt ist 6,3 Kilometer lang und soll mehr als 35 Millionen Euro kosten. Die Autobahn soll als Ost-West-Umfahrung Hamburgs bis zur Elbe führen und bei Stade an die geplante A 22 anschließen. Die Unterlagen für das zweite Teilstück der A 20 werden vom 16.1. bis 16.2. ausgelegt. Die Bürger können sie sich im Rathaus von Bad Segeberg und der Amtsverwaltung Trave-Land ansehen.



    dpa

    erschienen am 4. Januar 2006




    Teilabschnitt der A 21 wird freigegeben




    BORNHÖVED -

    Nach 15monatiger Bauzeit wird heute der etwa 12 Millionen Euro teure Teilabschnitt der Autobahn 21 von Bornhöved bis zur Anschlußstelle Trappenkamp (Kreis Segeberg) für den Verkehr freigegeben. "Der Ausbau der Bundesstraße 404 bis zur Autobahn A 21 ist neben der A 20 und der A 7 von größter Bedeutung, weil es sich bei dieser Strecke um eine der am stärksten befahrenen Verkehrsachsen des Landes handelt", sagte Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU).

    Die Bedeutung der A 21 wird nach Überzeugung des Ministers durch die geplante Verknüpfung mit der A 20 im Raum Segeberg noch erheblich zunehmen - als schnelle Verbindung über Niedersachsen nach Westeuropa.

    dpa

    erschienen am 14. November 2005




    Teilabschnitt der A 21 wird heute freigegeben




    KREIS SEGEBERG -

    Nach 15monatiger Bauzeit wird heute der rund 12 Millionen Euro teure Teilabschnitt der A 21 von Bornhöved bis zur Anschlußstelle Trappenkamp für den Verkehr freigegeben. "Der Ausbau der Bundesstraße 404 bis zur Autobahn A 21 ist neben der A 20 und der A 7 von größter Bedeutung, weil es sich bei dieser Strecke um eine der am stärksten befahrenen Verkehrsachsen des Landes handelt", sagte Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) am Sonnabend.

    Die Bedeutung der A 21 wird nach Überzeugung des Ministers durch die geplante Verknüpfung mit der A 20 im Raum Segeberg noch erheblich zunehmen. "Denn mit dem Bau der Elbquerung westlich von Hamburg wird es eine schnelle Verbindung über Niedersachsen, Bremen, das Ruhrgebiet und das Rheinland in den westeuropäischen Raum geben", so Austermann weiter.

    Der insgesamt rund 8,6 Kilometer lange Streckenabschnitt von Bornhöved bis Negernbötel/Wahlstedt wird rund 27 Millionen Euro kosten und - mit Ausnahme einer Kostenbeteiligung an der Anschlußstelle Trappenkamp durch den Kreis Segeberg - durch den Bund finanziert. Die Fertigstellung des derzeit im Bau befindlichen Abschnitts von der Anschlußstelle Trappenkamp bis nach Negernbötel/Wahlstedt ist für Mitte 2007 vorgesehen.

    nz

    erschienen am 14. November 2005






    Der Widerstand gegen die A 20 bröckelt

    Verkehr: Die Pläne für den Bau der Autobahn liegen ab heute öffentlich aus. In vielen betroffenen Gemeinden herrscht allerdings nach wie vor große Unzufriedenheit über den Bau der Autobahn.

    Von Frank Knittermeier

    Kreis Segeberg -

    Udo Mester hat jahrelang vehement gegen den Bau der neuen Autobahn gekämpft. Jetzt hat der Todesfelder resigniert: "Der Zug ist abgefahren, die A 20 kommt; ich habe keine Energie mehr, mich noch weiter einzusetzen." So wie er denken viele Bürger und Gemeindepolitiker, aus den Orten entlang der vorgesehenen Autobahntrasse zwischen Bad Segeberg und der Grenze zum Kreis Pinneberg. Kaum jemand ist zufrieden mit den Plänen der Landesregierung und des Bundes, aber sie wissen, daß weitere Proteste wahrscheinlich sinnlos sind. Wer es ganz genau wissen will: Von heute an bis zum 26. Oktober liegen in vielen Rathäusern die Linienbestimmungspläne zur Einsicht aus.

    Zwischen Mönkloh und Bad Segeberg stehen die Protestschilder noch auf den Äckern: "Keine A 20" ist dort zu lesen, obwohl der Zahn der Zeit an den meisten Schildern schon heftig genagt hat. Sie sind Relikte eines wahrscheinlich vergeblichen Kampfes gegen den Bau einer Autobahn, die das Leben etlicher Einwohner im Kreis Segeberg eines Tages stark beeinträchtigen wird.

    Stark betroffen ist zum Beispiel die Gemeinde Todesfelde, deren Gemeindevertretung sich einst in einer Resolution gegen den jetzt vorgesehenen Trassenverlauf ausgesprochen hat. "Wir haben alles versucht", sagt Bürgermeister Klaus-Peter Dieck (39, CDU). "Jetzt soll die A 20 quer durch die Gemeinde gehen. Darüber sind wir nicht sehr erfreut." Der Ortsteil Voßhöhlen wird durch den Bau völlig abgeschnitten.

    Sein Amtskollege Erich Schüller (67, CDU) aus der Nachbargemeinde Bark sieht schon vor dem Bau der Autobahn Böses auf die Gemeinde zukommen. Denn im nächsten Bauabschnitt wird die A 20 zunächst bis Wittenborn gebaut. Für Bark bedeutet das: Alle Fahrzeuge gelangen von der Autobahn automatisch auf die vorhandene B 206 und müssen durch Bark fahren. "Wir haben an den Verkehrsminister geschrieben", so Bürgermeister Schüller. Er hat aber wenig Hoffnungen, daß sich an den Planungen noch etwas ändert: "Was kann das kleine Bark da schon ausrichten?" Er hat den Kampf gegen die A 20 aufgegeben und richtet sein Augenmerk jetzt darauf, für seine Gemeinde einen möglichst optimalen Lärmschutz herauszuholen.

    Ganz anders sieht es Bürgermeister und Amtsvorsteher Klaus Mehrens (66, CDU) aus Struvenhütten. Seine Gemeinde ist durch zwei Landesstraßen und eine Kreisstraße jetzt schon arg vom Durchgangsverkehr gebeutelt. Kommt die Autobahn mit der Auffahrt Struvenhütten, werden, so glaubt Mehrens, viele Autofahrer nicht mehr durch den Ort fahren. "Die A 20 wird Verkehr aus dem Ort herausziehen." Die Trasse soll etwa anderthalb Kilometer nördlich vom Ortskern verlaufen.

    Bürgermeister Johannes Hermann Richter (64, FDP) aus Hartenholm will noch versuchen, das Schicksal von seiner Gemeinde abzuwenden. Denn hier soll die Autobahn über ein Moorgebiet hinweggeführt werden - der Lärm wird, so befürchten die Bürger, groß sein. Der Bürgermeister schreckt nicht vor einer Klage zurück.

    Der Amtsausschuß des Amtes Kaltenkirchen-Land hat in einem Beschluß vor zwei Jahren die Notwendigkeit des Baues der A 20 zwischen Segeberg und A 23 in Frage gestellt. "Dieser Beschluß hat noch Gültigkeit", betont Amtsleiter Torsten Ridder (39), der ebenfalls mögliche rechtliche Schritte ankündigt.

    Wann die Autobahn im Kreis Segeberg tatsächlich weitergebaut wird, steht längst nicht fest. Verkehrsminister Dietrich Austermann geht davon aus, daß bis zum Jahre 2010 sämtliche Planfeststellungsbeschlüsse vorliegen. Danach kann gebaut werden. Aber zunächst nicht im Kreis Segeberg, da der Abschnitt von der Elbquerung bei Glückstadt bis zur Segeberger Kreisgrenze Vorrang hat.

    INFO

    Der Übersichtsplan und der Erlaß des Bundesverkehrsministeriums können bis zum 26. Oktober in den Rathäusern folgender Städte und Gemeinden sowie in den Amtshäusern eingesehen werden: Bad Bramstedt, Amt Bad Bramstedt-Land, Bad Segeberg, Amt Segeberg-Land, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen, Amt Kaltenkirchen-Land, Amt Kisdorf, Amt Leezen, Amt Segeberg-Land und Wahlstedt.

    erschienen am 26. September 2005






    A20 geht in die nächste Phase

    Von der Ostsee an die Elbe: Auf den Abschnitten 1 und 2 der Autobahn 20 von der Landesgrenze bis zur A1 läuft bereits der Verkehr, Abschnitt 3 ist im Bau, für die Abschnitte 4 bis 6 soll die Planfeststellung beginnen. Grafik Verkehrsministerium
    Von der Ostsee an die Elbe: Auf den Abschnitten 1 und 2 der Autobahn 20 von der Landesgrenze bis zur A1 läuft bereits der Verkehr, Abschnitt 3 ist im Bau, für die Abschnitte 4 bis 6 soll die Planfeststellung beginnen. Grafik Verkehrsministerium

    Bad Segeberg/Oldenburg – Nachdem das Bundesverkehrsministerium den Verlauf der Autobahn 20 bestimmt hat, beginnt die nächste Planungsphase für das größte Autobahnprojekt in Schleswig-Holstein. Inzwischen ist auch die Finanzierung des weiteren Ausbaus der A1 gesichert. Seit dem 161 Millionen Euro teuren Lückenschluss zwischen Lübeck-Genin und Schönberg mit der Autobahnbrücke über die Wakenitz Ende vergangenen Jahres endet die Ostseeautobahn A20 an der A1. Der Abschnitt von der A1 bis Geschendorf ist schon seit Oktober 2004 in Bau. Nach der vom Bund festgelegten Linienführung soll die A20 südwestlich von Bad Segeberg die A21, südöstlich von Bad Bramstedt die A7 und südöstlich von Itzehoe die A23 kreuzen. Danach soll die A20 bei Glückstadt die Elbe queren und in Niedersachsen sowohl an die A22 wie auch an die geplante A26 angeschlossen werden.

    Vom 26. September bis 26. Oktober werden ein Übersichtsplan und der Erlass des Bundesverkehrsministeriums in den Ämtern der betroffenen Kreise ausgelegt. "Damit beginnt die nächste Phase der Planung und wir kommen unserem Ziel ein großes Stück näher, bis zum Jahr 2010 sämtliche Planfeststellungsbeschlüsse vorliegen zu haben", sagte Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) gestern in Kiel.

    Ab Ende dieses Jahres sollen auch östlich von Lübeck die letzten Lücken geschlossen sein, so dass die A20 dann von der Landesgrenze über insgesamt gut 300 Kilometer bis nach Stettin reicht.

    Nach Angaben des Verkehrministeriums ist nach intensiven Verhandlungen mit dem Bund jetzt auch die Finanzierung des letzten Teilabschnitts des Ausbaus der Bundesstraße 207 zur Autobahn 1 von Oldenburg-Nord bis Heiligenhafen-Mitte gesichert. Austermann zeigte sich gestern optimistisch, dass dieser letzte Abschnitt mit drei Anschlussstellen bereits im Jahr 2008 eingeweiht werden kann. Der 8,1 Kilometer lange Abschnitt kostet 41 Millionen Euro – davon allein 13 Millionen Euro für Brücken. Die Verkehrsbelastung auf dem Streckenabschnitt war in den vergangenen Jahren auf mehr als 20000 Fahrzeuge pro Tag angestiegen.

    Von Thomas Christiansen



    nordClick/kn vom 08.09.2005 01:00








    Auto

    bahnanschluß für Bokel

    A 20: Nur eine Auffahrt im Kreis - Westerhorn aus dem Rennen. Planer visieren Baubeginn an der Unterelbe bei Kollmar für Frühjahr 2008 an.

    Von Manfred Augener

    Bokel/Westerhorn/Itzehoe -

    In der "Bokel-Mühle" fiebert Geschäftsführer Arne Harbeck der Autobahn 20 geradezu entgegen. "Lieber gestern als heute" hätte er die Trasse, die direkt am Dorf vorbeiführen soll, realisiert gesehen. Mehr Gäste im beliebten Ausflugslokal mit dem Karpfenteich dank besserer Anbindung - "für uns ist das Gold wert." Doch das ist noch Zukunftsmusik.

    Bei Bokel soll jedenfalls der einzige Anschluß der A 20 im Kreis Pinneberg entstehen. Die ursprünglich geplante Abfahrt Westerhorn fällt hintenüber, da die Zubringermöglichkeiten über Hohenfelde und Bokel als ausreichend gelten. Auch ein Erfolg der Westerhorner, die sich vehement für ihre Belange eingesetzt haben (wir berichteten).

    Kai-Uwe Schacht, Projektleiter der A 20 im Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Itzehoe, sieht darin einen Erfolg der frühzeitigen öffentlichen Auslegung der Pläne. Insgesamt seien rund 4000 Anregungen eingegangen, die bei Trassen- und Linienfestlegung Berücksichtigung fanden.

    Schacht ist dabei, die Unterlagen zur Vorbereitung des Planfeststellungsverfahren zusammenzustellen, mit dem eventuell schon im Herbst 2006 begonnen werden könnte. Er rechnet mit einem bis eineinhalb Jahren bis zum Planfeststellungsbeschluß, "vielleicht können wir im Frühjahr 2008 mit den Bau beginnen".

    Der erste Spaten soll sich an der B 431 bei Kollmar in den Marschboden senken, von dort soll die A 20 bei Hohenfelde auf die A 23 treffen. Dort ist dann ein nicht direkt aus dem Umland anzufahrendes Autobahnkreuz geplant. Die nächstgelegenen Zufahrten wären Kollmar, Hohenfelde, Elmshorn/Horst und Bokel.

    Nördlich von Osterhorn ist eine Überquerung der Bahnlinie vonnöten, die Brücke wäre acht bis zehn Meter hoch. Ob die Zufahrt als Damm oder auf Stelzen gebaut wird, ist noch unklar. Die Landesstraße 114 bei Bokel würde wiederum per Brücke über die Autobahn geführt, erläuterte Schacht. Danach geht die Autobahn 20 im Kreis Segeberg weiter Richtung A 7 (Lentföhrden).

    Daß die großen Pläne einmal Realität werden, bezweifelt A 20-Gegner Rainder Steenblock. Abgesehen von zu erwartenden Klagen im Planfeststellungsverfahren sei die private Finanzierung der Elbquerung der große Schwachpunkt, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete. "Alle Pläne werden Makulatur", wenn sich kein Investor für die Elbquerung finde, deren Kosten schon doppelt so hoch seien als anfangs veranschlagt. Kommt die Finanzierung nicht zustande "wird auch kein Teilstück gebaut, das macht der Bund nicht mit", ist Steenblock sicher. Nur eine durchgehende Verbindung nach Niedersachsen sei, wenn überhaupt, von der Kosten-Nutzen-Rechnung her tragbar.

    Westerhorn bleibt also vom Zubringerverkehr einer Autobahnauffahrt verschont - doch wie ist die Lage in Bokel? Bürgermeister Johannes Pingel hält sich bedeckt. Es gebe durchaus Skeptiker, aber auch viele Befürworter. Möglicherweise komme der stärkste Zubringerverkehr nördlich von Bokel aus Richtung Kellinghusen/Wrist. Und wenn der Lkw-Verkehr aus Richtung Glückstadt sich nicht mehr durch das Dorf quäle, sei das auch gut.

    Ob der Autobahnverkehr die ländliche Idylle Bokels beeinträchtigen wird, kann Landwirt Pingel jedenfalls täglich messen, wenn die A 20 gebaut wird: Sein Hof liegt nur 500 Meter von der Autobahn entfernt.

    erschienen am 9. August 2005

    Hamburger Abendblatt





    Amtlich: Die A-20-Trasse

    Anschlüsse zwischen Stade und Segeberg stehen fest. Ab 2010 sollen die Bauarbeiten beginnen.

    Von Elisabeth Jessen

    Kiel -

    Die Erfolgsmeldung hat der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) ein paar Tage zurückgehalten, um sie am Freitag, 100 Tage nach seinem Amtsantritt, öffentlich zu machen: "Die Landesregierung hat jetzt endgültig Klarheit und Rechtssicherheit über den künftigen Verlauf der Autobahn A 20 erreicht", verkündete Carstensen. Das Bundesverkehrsministerium habe dem geplanten Verlauf der A 20 zugestimmt und einen entsprechenden Bescheid erteilt. Eine mündliche Zusage von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hatte dessen schleswig-holsteinischer Amtskollege Dietrich Austermann (CDU) bereits im Juni erhalten.

    "Jetzt steht fest, welche Anschlußstellen es geben wird. Damit haben die Gemeinden erstmals Planungssicherheit", sagte Harald Haase, Sprecher des Verkehrsministerium in Kiel, dem Hamburger Abendblatt.

    Mit dem schriftlichen Bescheid aus Berlin ist nun auch unabänderlich festgelegt, daß die Querung der Elbe bei Glückstadt (Kreis Steinburg) kommen wird. Die Version, die Elbquerung möglichst nahe an Hamburg zu realisieren (die sogenannte Nord-West-Umfahrung Hamburgs), ist aber schon länger vom Tisch. Gebaut wird ein Elbtunnel. "Aus ökologischer Sicht ist nur eine Tunnellösung zu realisieren", zitiert Haase aus dem Gutachten. Das A-20-Trassenstück von Glückstadt bis zur Querung der A 22 in Niedersachsen (zwischen Bützfleth und Drochtersen), das auch den neuen Elbtunnel umfaßt, soll von einem privaten Betreiberkonsortium finanziert werden. "Erste Gespräche mit möglichen Investoren werden geführt, sobald die Kosten ausreichend sicher feststehen", so Haase.

    Wegen der enorm hohen wirtschaftlichen Bedeutung der A 20 für Schleswig-Holstein habe Austermann inzwischen auch die Voraussetzungen geschaffen, die Planung um zwei Jahre zu beschleunigen, hieß es. Nun sollen bereits 2010 alle Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein und mit dem Bau der einzelnen Autobahnabschnitte begonnen werden. "Austermann integriert private Ingenieurbüros in die Planung", erklärte Haase. Die Baukosten für die A 20 von Lübeck (Autobahndreieck Hamberge) bis Glückstadt liegen bei etwa 550 Millionen Euro. Eine Kostenschätzung für den Bauabschnitt von Glückstadt in Richtung Süden, der privat finanziert werden soll, gebe es noch nicht, so Haase. Damit sei frühestens zur Jahreswende zu rechnen.

    Die Autobahntrasse vom Autobahnkreuz Hamberge bis Geschendorf ist im Bau und soll im Frühjahr 2008 fertig sein. Von Hamberge in Richtung Mecklenburg-Vorpommern ist die Ostseeautobahn seit Dezember 2004 lückenlos befahrbar. Damals wurde mit dem 26 Kilometer langen Teilstück zwischen Lübeck und Schönberg die letzte Lücke geschlossen.

    Ende 2005 soll die Autobahn über 324 Kilometer Lübeck mit der polnischen Hafenstadt Stettin verbinden. Laut Bundesverkehrsministerium sind bislang 85 Prozent der Trasse befahrbar.

    erschienen am 6. August 2005



    Hamburger Abendblatt


    Wilken-Kebeck: "Planung ist clever gemacht"

    Bad Segeberg - Die Schließung der B 432 bei Högersdorf, ihre Verschwenkung Richtung B 206 im Zuge des A 20-Baus: Der Bad Segeberger SPD-Fraktionschef Joachim Wilken-Kebeck zeigt sich von den Straßenbauplänen des Landes (wir berichteten) sehr angetan. "Ich sehe das ebenfalls als notwendig an, dass die B 432 zwischen Högersdorf geschlossen und der Verkehr dann über die Trasse der jetzigen B 206 in die Stadt fließen wird", betonte Wilken-Kebeck gegenüber den LN. Die Gründe seien nachvollziehbar. Einmal würden Brückenbauwerke Höhe der Trave eingespart, aber auch der ökologische Aspekt sei wichtig. So werde das durch den Bau der Autobahn belastete Trave-Tal zumindest etwas von Verkehr befreit.

    In einem "eindrucksvollen Vortrag" habe Gerhard Diedrichs, Leiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, die Pläne der Stadtverwaltung und den Fraktionsspitzen erläutert. Wilken-Kebeck: "Die Planer waren auf alle Fragen sehr gut vorbereitet."

    Besonders habe ihm die geplante Anbindung der B 432 - auf der alten B 206-Trasse - an die Ziegelstraße gefallen. Möbel Kraft könne sich eigentlich "nicht beschweren". Wenn die Pläne ab 2008 so verwirklicht werden, würde der B 432-Verkehr von der jetzigen B 206-Trasse, aus Richtung Travetal kommend, im Bogen direkt in die Ziegelstraße geführt. Eine Fahrspur solle dann - ebenfalls vorfahrtberechtigt - direkt vor das Möbelhaus führen. Die andere Spur würde den Verkehr Richtung Ostsee aufnehmen. Allerdings müsste für diese Planungen das Mietshaus an der Kreuzung abgerissen werden.

    Wilken-Kebeck: "Diese Planung ist schon clever gemacht." Allerdings werde mit der verschwenkten Trasse zur B 206 bei Högersdorf der Weg zu Möbel Kraft zum Beispiel für die Hamburger etwa 1,4 Kilometer länger. Dafür sei das Teilstück aber weitgehend kreuzungsfrei, außerdem entfielen Wartezeiten an den Bahnschranken, die jetzt den fließenden Verkehr an der Hamburger Straße behindern. Wilken-Kebeck glaubt nicht, dass die Kunden, die "heutzutage zielgerichtet zu Kraft fahren", sich durch die neue Verkehrsführung irritieren lassen werden. Ein Vorteil der neuen Straßenplanung sei auch, dass die Bewohner in der südlichen "Hamburger" dann endlich von Verkehr entlastet würden.

    Von Wolfgang Glombik , LN

    ln-online/lokales vom 14.07.2005 19:30






    B 432 wird bald zur Sackgasse

    Bad Segeberg - Mit dem Bau der A 20 wird Bad Segeberg eine südliche Verkehrsader verlieren. Die B 432 wird bei Högersdorf gekappt und über eine neue Trasse zur B 206 geleitet. Die alte B 432-Fahrbahn soll dann Radfahrern, Fußgängern und Rettungsfahrzeugen vorbehalten bleiben.

    Spätestens im Jahre 2008 geht es los mit den Bauarbeiten für die A 20, dann wird alles anders in und bei Bad Segeberg. Die Autofahrer, die von Süden - zum Beispiel aus Hamburg oder Norderstedt - über die B 432 nach Bad Segeberg kommen, müssen sich umstellen. Denn auf Höhe der Ortschaft Högersdorf, kurz vor der A 21, verlässt die Bundesstraße ihre gewohnte Bahn, wird Richtung Nordwesten verschwenkt. Die Autofahrer fahren dann eine Weile parallel zur A 21 an dem riesigen Autobahnkreuz (A20/A21) vorbei und treffen südöstlich der Lettow-Vorbeck-Kaserne auf die B 206. Diese Bundesstraße hat dann dank der A 20 auch ihre überregionale Bedeutung verloren, vereinigt sich an einem Kreisel mit der B 432. Aus der jetzigen B 206 wird dann Richtung Bad Segeberg die B 432. Die Bundesstraße solle dann "möglichst elegant" in Bad Segeberg an die Ziegelstraße angebunden werden, so Gerhard Diedrichs, Leiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein. Hier gibt schon einige Überlegungen für eine neuen Verkehrsknotenpunkt in Bad Segeberg (siehe unten stehenden Artikel).

    Die geplante Verlegung der B 432 hat im Vorfeld schon für Riesenaufregung gesorgt. Denn wer dann in die Gegenrichtung von Bad Segeberg durch die Hamburger Straße kommend über die B 432 nach Hamburg fahren möchte, landet in einer Sackgasse. Vor dem Travetal, hinter der Kreisfeuerwehrzentrale wird die Bundesstraße dicht gemacht. Die Kreisfeuerwehrzentrale - bei deren Planung Anfang der 90er Jahre man im Traum nicht daran gedacht hatte, dass die Bundesstraße vor der Haustür einmal geschlossen werden könnte - wäre nach Süden hin abgeschnitten.

    Auch der ABC-Zug, der von dort kreisweit zu Einsätzen gerufen wird, müsste einen Umweg durch die Stadt fahren. Der Kreis habe nun laut Landrat Georg Gorrissen durchgesetzt, dass es eine Not-Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge geben soll. Gorrissen selber hält nichts von "der Kappung der Straße" und fragt sich, warum "eine intakte Straße" zurückgebaut werden müsse - so gegenüber den LN. Er wolle auch Möbel Kraft unterstützen, diese Pläne zurückzudrehen. Denn Kraft-Geschäftsführer Gunnar George sieht in den Plänen "eine Benachteiligung" Möbel Krafts: "So haben wir uns das nicht vorgestellt." Doch Diedrichs beteuert, dass Möbel Kraft "nie von den großen Verkehrsströmen abgeschnitten" werde. Im Gegenteil. "Kraft wird genügend Verkehr bekommen, möglicherweise mehr, als schon jetzt da ist", verspricht er.

    Nicht nur Feuerwehr und Kraft meutern. Diedrichs gibt zu, dass einige Gewerbebetriebe an der baldigen B 432-Sackgasse schon Protest angemeldet haben. Darunter dürfte auch McDonald's sein, der ja auch vom Durchgangsverkehr lebt. Aber "Gewerbebetriebe teilen das Schicksal ihrer Straße", bedauert Diedrichs. Auch der Bund müsse auf sein Geld achten, denn es würde rund eine Million Euro mehr kosten, für die B 432 direkt am Autobahnkreuz sechs hintereinander liegende Brückenbauwerke zu bauen, die zudem in der Unterhaltung teuer seien. Denn wegen der Konstruktion der 300 Meter langen A 20-Autobahnbrücke müssten die jeweiligen Rampen, Verteilerfahrbahnen und die Hauptfahrbahn mit Brückenbauwerken versehen werden. Da sei die geplante Verschwenkung der B 432 weit weniger aufwändig. Die Högersdorfer selbst hätten diese Pläne übrigens für gut befunden, betonte Diedrichs. Auch die Bad Segeberger seien positiv gestimmt.

    Um die Kreisfeuerwehrzentrale zumindest in Notfällen aus ihre Sackgassen-Endlage zu befreien, könne in Notfällen zum Beispiel der ABC-Zug des Kreises mit seinen Fahrzeugen die alte Trasse befahren. "An den mächtigen Widerlager der A 20-Brücke würden die Feuerwehrfahrzeuge gerade noch vorbeikommen. Ansonsten dürften dort nur noch Radfahrer und Fußgänger durch. Die Ex-B 432 werde vermutlich durch versenkbare Poller abgeriegelt. Die B 432 hätte ohnehin nicht mehr die Bedeutung: Schon längst müsste die Autobahnabfahrt "Bad Segeberg-Süd" bei Högersdorf geschlossen sein. "Die darf es offiziell gar nicht mehr geben", so Diedrichs. Der Bund sehe gar nicht ein, warum er zwei direkt nebeneinander liegende Anschlussstellen wie die bei Högersdorf und an der Lettow-Vorbeck Kaserne unterhalten soll und habe die Schließung schon angemahnt. Aber noch bleibt alles beim Alten.

    Von Wolfgang Glombik , LN

    ln-online/lokales vom 12.07.2005 19:20




    Ortsumgehung Bad Bramstedt: Baubeginn 2006?



    Bad Bramstedt (ben) Der neue Verkehrsminister des Landes, Dietrich Austermann (CDU) hat während eines internen Treffens mit Bürgermeistern im Bad Bramstedter Schloss eine neuen Zeitplan für den Bau der Ortsumgehung Bad Bramstedt genannt. Wie gestern die Pressestelle des Ministerium bestätigte, soll im Oktober der Planfeststellungsbeschluss fallen, der einer Baugenehmigung gleich kommt. Danach muss nach mit dem Bund die Finanzierung geklärt werden. Sollte Berlin die 27,6 Millionen Euro Baukosten freigegeben, könnte 2006 mit dem Bau begonnen werden. Drei Jahre Bauzeit veranschlagt das Ministerium. 2009 soll die Straße für den Verkehr frei gegeben werden.
    Austermann hatte sich mit CDU-Bürgermeistern der vom Bau der A 20 betroffenen Gemeinden zusammengesetzt. Wie verlautete, hat Austermann in der Runde noch einmal den Bau der sogenannte Südvariante bestätigt, die südlich von Bad Bramstedt verlaufen wird.

    nordClick/sz vom 24.06.2005



    Bund hat sich auf eine A20-Trasse bis zur Elbe festgelegt

    Kreis Segeberg. Die Würfel für den Bau der A 20 zwischen Bad Segeberg und Elbe sind gefallen. Nach Informationen der Segeberger Zeitung hat sich der Bund auf eine Trasse für die Autobahn festgelegt. Sie orientiert sich am Vorschlag des Landes. Die A 20 wird südlich der B 206 bis nach Glückstadt zu einem neuen Elbtunnel und bis nach Stade führen.
    Die Botschaft erhält Schleswig-Holstein in den nächsten Tagen. Offiziell ist die so genannte Linienbestimmung zwar noch nicht abgeschlossen, ist aus dem Bundesverkehrsministerium zu hören. Denn die 18 Aktenordner sind gerade den Ministerien für Umwelt, Finanzen, Verteidigung und Wirtschaft „zur Ressortabstimmung“ zugestellt worden. Doch das gilt intern nur als Formalie. Die Knackpunkte, etwa im Umweltbereich, wurden zuvor ausgeräumt.
    Der erwartete Beschluss aus Berlin hat mehrere Folgen. So kann der Bund nach 25-jähriger Planung endlich die Nordumgehung für die Stadt Bad Bramstedt bauen. Da die A 20 südlich der Stadt geführt wird, gibt es keine zwei Straßen nebeneinander. Für diesen Fall hatte der Bundesrechnungshof vorab sein Veto eingelegt.
    Zum anderen kann Schleswig-Holstein den Bau der A 20 vorantreiben, das im Auftrag des Bundes plant. Überrascht von dem Befund des Bundes sind die Straßenbauer des Landes nicht. In vorauseilender Vermutung arbeiten Fachabteilungen schon seit einem Jahr an Details, zogen Baugrundproben nahe des geplanten Elbtunnels bei Glückstadt.
    Das Land muss nun einen Vorentwurf erarbeiten und dem Bund vorlegen. Daran schließt sich ein etwa zweijähriges Planfestellungsverfahren an. Ein Planfeststellungsbeschluss der Landesbehörden käme einer Baugenehmigung für die A 20 gleich. Allerdings können Klagen das Verfahren verzögern oder sogar zu Fall bringen.
    Aufs Tempo drückt der neue Landesverkehrsminister Dietrich Austermann (CDU). „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Planung der gesamten A 20-Trasse bis spätestens 2010 unter Dach und Fach bringen. Zwischenzeitlich wurde schon gemeinsam mit Niedersachsen die Detailplanung der Elbquerung in Angriff genommen“, zitiert ihn seine Pressestelle.
    Zu den Baukosten gibt es nur Schätzungen. Von über einer Milliarde Euro ist die Rede. Zuteilen wird der Bund das Geld nur abschnittsweise. Den Elbtunnel soll eine Privatfirma bauen und später Maut von den Autofahrern verlangen dürfen.
    Für eine verfehlte Investition hält der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) diese Nordwestumfahrung Hamburgs. Er kürte sie zum drittunsinnigsten Straßenbauprojekt in Deutschland. Keiner werde diesen Umweg um Hamburg fahren und auch noch Maut bezahlen, stimmt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) mit ein. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis liege bei 1,9. Übliches Mindestmaß sei 3 oder 4. Der Elbtunnel in Hamburg werde kaum entlastet. Dort mache überörtlicher Durchgangsverkehr nur 15 Prozent aus.
    Auch im Kreis Segeberg haben sich A 20-Gegner in Bürgerinitiativen organisiert. Land und Bund lassen jedoch keinen Zweifel aufkommen, die A 20 zu bauen. Das gilt auch für den bislang verkehrsschwachen und als letzten Bauabschnitt geplanten Bereich zwischen Bad Segeberg und Bad Bramstedt. „Sonst macht das als Küstenautobahn ja keinen Sinn“, verlautet aus dem Bundesverkehrsministerium. Experten dort lassen durchblicken, dass die Dörfer an der B 206 sich nach einer Autobahn sehnen werden, wenn erst Verkehre von der A 20 aus dem Osten (Bad Segeberg) und aus dem Westen (Bad Bramstedt) massenhaft auf sie zurollen. „Das wird ein Mordsdruck auf die B 206.“ GERRIT SPONHOLZ

    nordClick/sz vom 09.06.2005 01:00












    A 20: Tempo 100 als Zwischenlösung

    Nordwestkreis - In Kürze wird auf dem kompletten östlichen Teilstück der A 20 das Tempo auf 100 km/h begrenzt werden - als erste Schutzmaßnahme gegen Lärm. Unverhältnismäßig starke Geräusche entstehen aber schon bei 25 km/h.

    Bis Mitte März sollte im Berliner Bundesverkehrsministerium eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen im Problemfall A 20 gefällt werden (die LN berichteten). Jetzt ist Mitte März. Eine Entscheidung, ob ein Asphalt-Beton-Flickenteppich, eine komplette Asphaltschicht oder ein Abschleifen der Betontrasse den Lärm auf der vermurksten Autobahn eindämmen soll, ist noch nicht gefallen.

    Doch es scheint, als werde daran gearbeitet. "Einen Zwischenbericht wird es frühestens Mitte nächster Woche geben", erklärte die Ministeriumssprecherin gestern auf Anfrage der LN. Eine Art Machbarkeitsprüfung sei von der Deges, die im Auftrag des Bundes die Planungshoheit der A 20 innehatte, bereits vorgenommen worden. Gegenwärtig schauen sich die Experten in den Fachreferaten des Berliner Ministeriums die Ergebnisse der Deges an, wägen ab und entscheiden dann - vielleicht Mitte nächster Woche - , wie die A 20 geglättet werden soll.

    Im Wirtschaftsministerium des Landes hingegen will man nicht so lange untätig herumsitzen. Deswegen wurde hier jetzt die Anweisung herausgegeben, das Tempo auf dem östlichen Teilstück der A 20 zu limitieren - auf 100 km/h. Daniela Rekasch vom Schweriner Ministerium erklärt: "Das soll die Spitzen der Lautstärke reduzieren." Als Lärmschutz für die Anwohner.

    Bis zum kommenden Wochenende sollen die entsprechenden Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung aufgestellt sein. Wo jetzt noch von Schönberg bis kurz hinter der Abfahrt Lüdersdorf Gas gegeben werden kann, muss Tempo 100 reichen. Was allerdings keine großen Auswirkungen haben wird. Lkw können sowieso nicht schneller, und auf der Gegenfahrbahn steht schon seit Monaten das 100km/h-Schild. Wegen fehlender Fahrbahnmarkierungen.

    "Dieses Tempolimit soll allerdings nicht auf Dauer gelten", sagt Daniela Rekasch. In Schwerin hofft man, dass da seitens des Bundes in Sachen Autobahn bald was passiert. "Wir machen unsererseits Druck", bestätigt die Ministeriumssprecherin, "wir stehen denen in Berlin schon öfter mal auf den Füssen." Landeswirtschaftsminister Otto Ebnet sei wichtig, "dass da endlich was passiert, vor allem aber, dass da das Richtige passiert.

    Auf größere Wälle oder dickere Wände in Sachen Lämschutz brauchen die Bewohner in den A 20-nahen Orten indes wohl nicht zu hoffen. "Der Lärmschutz ist so ausgeführt, dass er bei dem entsprechenden Belag richtig und ausreichend dimensioniert ist", erklärt Volker Kock, A 20-Verantwortlicher des Deges.

    Mit der Maßgabe, das Tempo auf dem gesamten neuen A 20 -Teilstück auf 100 km/h zu begrenzen, ist die Landesregierung deutlich über der vor rund sechs Wochen gestellten Forderung des Amtsausschusses Schönberger Land geblieben, die Geschwindigkeit auf 80 km/h zu drosseln.

    Lüdersdorfs Bürgermeister Erhard Huzel will, dass die Bauarbeiten auf der A 20 möglichst schnell beginnen. "Je früher damit begonnen wird, umso früher kommt es zu einer deutlichen Geschwindigkeitreduzierung und damit zu einer Lärmminderung." Denn Baustellenbereiche dürfen nur mit weitaus weniger als 100 km/h passiert werden. "Das könnte eine erste Linderung sein", so Huzel.

    Ob das zwangsverordnete Tempo 100 wirklich eine spürbare Lärmminderung für die A 20-Anwohner bringen wird, bezweifelt Professor Hartmut Dose, Baustoffexperte an der Hochschule Wismar. "Denn ein unverhältnismäßig hoher Lärm entsteht auf diesem Stück Autobahn schon bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h."

    Aber dass endlich überhaupt irgendetwas getan wird, ist immerhin ein erster Trost für die entnervten Anwohner. Und lässt ihnen die Hoffnung, dass am Ende doch noch alles gut wird.



    Von Doreen Dankert, LN

    ln-online/lokales vom 15.03.2005 18:56


    Amtsausschuss Schönbergr Land will Tempo 80 auf A 20

    Schönberg - Die A 20 von Schönberg bis zur Wakenitz ist und bleibt ein Thema. Auch auf dem politischen Parkett des Amtsausschusses Schönberger Land. "Es ist unsere Aufgabe", so Amtsvorsteher Frank Lenschow, "die Gemeinden zu begleiten hinsichtlich der Problemlösung in Sachen Lärm."

    Zum Sachstand in Bezug auf die A 20 war Lüdersdorfs Bürgermeister Dr. Erhard Huzel im Kreise der Amtsausschussmitglieder am besten informiert. Demnach war man sich im Schweriner Wirtschaftsministerium bereits kurz nach Freigabe des Teilstücks am 14. Dezember 2004 darüber im klaren, "dass die Trasse nicht so gebaut wurde wie sie gebaut werden sollte", so Huzel. "Dass ein Fehler passiert ist, will man dort auch gar nicht wegdiskutieren." Deswegen, so die Botschaft aus Schwerin, sollen die Betroffenen ihre Beschwerden diesbezüglich weiter aufrecht erhalten. Das Ergebnis der Untersuchungen, die das Schweriner Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat, werde, so Huzel, für die zweite Februarhälfte erwartet.

    Dem Amtsausschuss reicht das nicht. Der Abgeordnete Christian Seiler, ein Vertreter der Gemeinde Selmsdorf, stellte den Antrag, dem Wirtschaftsministerium in Schwerin schnellstens einen Brief mit der Forderung zu schicken, dass auf der lauten Betonpiste als Sofortmaßnahme ab sofort eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h gelten soll. Bei Seilers Sitzungskollegen fand diese Idee breiten Zuspruch. Der an Schwerin adressierte Brief wurde zum Beschluss - dem einzigen, der an diesem Abend einstimmig verabschiedet wurde.

    ln-online/lokales vom 05.02.2005 01:00




    Nichts hinzuzufügen
    "Lieber neue Ideen", Leserbrief in der PZ vom 11. Januar
    Auf den Artikel "DGB macht sich für A 20 stark" vom 31.Dezember hat Rainder Steenblock mit oben genanntem Leserbrief geantwortet. Darin lehnt er im Namen der Grünen (er schreibt ständig wir) den Weiterbau der A20 heftigst ab und gibt diverse Begründungen für die negative Haltung der Grünen. Diese Meinung hat auch Herr Kruse, Landtagskandidat der Grünen im hiesigen Wahlkreis, in der Pinneberger Zeitung vertreten.
    Hierzu sollte der Leser wissen, welchen Antrag die Grünen zusammen mit der SPD am 26. Januar im Landtag eingebracht haben: Drucksache15/3961 (neu) - Der Landtag wolle beschließen:

    1. Der Schleswig-Holsteinische Landtag hält an den im Bundesverkehrswegeplan beschlossenen Prioritäten im Straßenbau und im Schienenausbau fest. Dazu gehören u.a. die folgenden im vorrangigen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans verankerten Projekte:

    Der Weiterbau der A 20 von Lübeck über Bad Segeberg mit Elbquerung bei Glückstadt bis zur Anbindung in Niedersachsen, der sechsstreifige Ausbau der A 7 zwischen Hamburg und Bordesholm, der Ausbau der B 404 zur Autobahn A 21, ... Dieses Papier wurde unterzeichnet von Bernd Schröder und der SPD-Fraktion sowie von Karl-Martin Hentschel und der Grünen-Fraktion.

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, daß es schon erstaunlich ist, daß man die erfundenen Leserbriefe (stehen auch im Wahlprogramm der Grünen) noch toppen kann.
    Matthias Scheffler, Berliner Straße 67, 25421 Pinneberg

    erschienen am 4. Februar 2005 in Pinneberg





    Ursache für erhöhten Lärmpegel auf A 20 gesucht

    Nordwestkreis - Die Freude über das neue Teilstück der A 20 wurde rasch getrübt. Denn die schnelle Verbindung zwischen Ost und West hat einen Makel. Autofahrer müssen ab Schönberg Richtung Lübeck das Radio lauter drehen, die Bewohner in A 20-nahen Orten müssen ihre Fenster schließen. Denn der östliche Teil des neuen Autobahnabschnitts verursacht Lärm. Schuld daran ist aber nicht der Baustoff Beton.

    Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Diese Erkenntnis trifft auch auf das neue Stück der A 20 zu. So befreiend das Gefühl für tausende Pendler auch ist, zu wissen, dass sie nie wieder einen Verkehrsinfarkt in einem der Nadelöhre auf der B 105 und B 104 von und nach Lübeck miterleben muss, so enttäuscht sind etliche Bürger über die Nebenwirkungen der neuen Trasse. Über eine ganz besonders: den Lärm. In einigen A 20-nahen Ortschaften wie Neuleben oder Große Siemz hat sich seit dem 14. Dezember 2004 der Geräuschpegel spürbar verändert. Vor allem deshalb, weil der östliche Teil der Trasse von Schönberg bis zur Wakenitz mehr Lärm verursacht als er müsste. Nicht ohne Grund wird der westliche Teil als "Flüsterasphalt" und der östliche als "Rüttelbeton" tituliert. Dabei müsste es diesen Unterschied gar nicht geben - auch wenn auf jeder Seite der Wakenitz unterschiedliche Baustoffe verwendet wurden.

    "Es gibt keinen Grund, warum Beton lauter sein muss als Asphalt", sagt Michael Karstadt, Professor an der Hochschule Wismar im Fachbereich Bauingenieurwesen und Experte für Straßenwesen und Baustoffkunde. Denn Lärm-Messwerte für Beton und geriffelten Asphalt müssen laut der Lärmschutzrichtlinie für Straßen nahezu identisch sein. "Bei Beton liegt der Geräuschpegel nur ein Dezibel über Asphalt", erklärt Karstadt. Vorausgesetzt, die Betonpiste wurde nach allen Regeln der Baukunst gebaut.

    Ob das auf dem 15 Kilometer langen Beton-Stück der A 20 alles so geklappt hat, ist fraglich. Und die Lärm-Messwerte, die die Lübecker Nachrichten in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Bauingenieurwesen der Hochschule Wismar ermittelt haben, dürften den streitbaren Geistern neue Nahrung geben. Auf der Autobahnbrücke in Neuleben, also in unmittelbarer Nähe der nagelneuen Betonpiste, schlägt das Messgerät - je nach Tempo der Fahrzeuge - bis 92 Dezibel aus. Der Mittelwert liegt hier bei etwa 85 Dezibel. Auf der Autobahnbrücke in Schönberg, wo Asphalt verbaut wurde, liegt der Mittelwert bei 78 Dezibel. Vereinzelt schlägt das Messgerät bis 86 Dezibel aus. Weiter nicht.

    Soweit die Fakten. Grundsätzlich sei Beton gegenüber Asphalt nicht konkurrenzfähig, meint Professor Karstadt - allerdings nur beim Bau. "Weil Beton deutlich teurer ist." Dafür aber bietet er eine Menge Vorteile. Der größte ist die Haltbarkeit. "Eine Betonfahrbahn ist 40 bis 60 Jahre wartungsfrei", sagt der Baustoff-Fachmann. Auf einer Asphaltstraße hingegen zeigen sich bereits nach zehn, spätestens nach 20 Jahren Spurrillen. Und die teure Ära der stückweisen Sanierung beginnt. "Außerdem sind Griffigkeit und das Lichtstreuvermögen bei Beton einfach besser - gerade bei Nässe", erklärt Michael Karstadt. Der Ost-Teil des neuen Trassenstücks ist also keine billige Piste, sondern die teure Luxus-Variante - allerdings mit Mängeln.

    Und das hat man inzwischen offenbar auch in Berlin bei der Deges, die für den Bau der A 20 verantwortlich ist, bemerkt. Mit Hochdruck werde derzeit geprüft, ob und - falls ja - in welcher Art sich der A 20-Lärm auswirkt, erklärt Stefanie Langowski, stellvertretende Bereichsleiterin für den Bau des neuen Trassenstücks. Diesbezüglich basteln Experten in Berlin an einer Überschlagsrechnung für die zu erwartenden Kosten, die aufgebracht werden müssen, um den Lärm auf Normniveau zu dämpfen. Auch das Wirtschaftsministerium in Schwerin - vom Bund als A 20-Auftragsverwalter eingesetzt - beschäftigt sich mit der Lärm. "Es gibt Beschwerden", so Ministeriumssprecher Gerd Lange, "die jetzt womöglich die Gerichte beschäftigen werden."

    Derzeit wird hinter den Kulissen von allen Beteiligten nach dem Verursacher des Mangels gesucht. Diese Frage ist von enormer Bedeutung, denn der Mangel-Verursacher haftet. "Und das kann in diesem Fall nicht das Wirtschaftsministerium sein", so Lange.

    Im schlimmsten Fall kostet die Mangelbeseitigung ein mindestens siebenstelliges Vermögen. Nämlich dann, wenn die Betonfahrbahn abgefräst werden muss. "Denn die Schallabstrahlung kann nur mit der Oberfläche zu tun haben", sagt Professor Karstadt.

    Am meisten geplagt vom A 20-Lärm sind laut Anzeige des Geräuschmessers die Bürger in Groß Siemz. Die gesetzliche Lärmgrenze von 59 Dezibel in Wohngebieten wird hier rund um die Uhr locker überboten. Am Ortseingangsschild des Dorfes klettert die Anzeige häufig auf 61, 62, 63 oder 64 Dezibel. Sogar Ausschläge bis 67 Dezibel wurden registriert.

    Die Zahlenwerte sind das eine, das subjektive Empfinden ist das andere. "Wenn der Lärmpegel nur um zehn Dezibel steigt", erläutert Diplom-Ingenieur Andreas Thiermann, Laborleiter für Messtechnik und Bauphysik an der Hochschule Wismar, "entspricht das beim subjektiven Empfinden einer Verdopplung der Lautstärke."

    Die ersten Ergebnisse in Sachen Lärm-Untersuchung sollen bis Ende des Monats vorliegen, sagt Gerd Lange.

    Eines steht für Deges-Mitarbeiterin Stefanie Langowski jedenfalls auch fest: "Wer die Mängel zu verantworten hat, wird dafür einstehen müssen." In Schwerin weiß man, dass die Bauarbeiten von der Deges überwacht wurden. Abgenommen hat die Deges das Bauprojekt ebenfalls. Und dabei vielleicht das Lärm-Messgerät vergessen.

    Von Doreen Dankert, LN

    ln-online/lokales vom 17.01.2005 01:00